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Beim Schweizer Radmarathon am 30.06.2007
bin ich in der 600 km Brevet Wertung gestartet, da ich ja
die verpasste Paris-Brest-Paris Qualifikation noch erringen
musste und dies die letzte Möglichkeit war. Ich hatte
mich also kurzfristig angemeldet und es gab auch keine perfekte
Planung, wie ich dies bei den anderen Rennen immer hatte.
Von der Strecke wusste ich wenig.
Am Vorabend habe ich kurz vor Torschluss um 21:00 Uhr meine
Startunterlagen abgeholt und mich dann auch die Suche nach
einem Hotel gemacht. Dies hat leider längere Zeit in
Anspruch genommen und nach dem Essen bei einem Italiener und
dem vorbereiten der beiden Räder bin ich dann erst um
nach 1:00 Uhr im Bett gewesen.
Um kurz nach 06:00 ging es dann wieder aus den Federn raus
und nach einem Frühstück zum Startort. Hier musste
jeder seine elektronische Startkarte auf ein Messgerät
legen und hat somit seine Startzeit bestätigt. Es konnte
zwischen 06:00 und 12:00 Uhr individuell gestartet werden.
Ich bin um kurz nach 08:00 Uhr aufgebrochen, nachdem ich ein
paar Minuten vorher meine Karte "durchgezogen" hatte,
ein Startfoto gemacht wurde, etc.
Nach wenigen Metern hatte ich mich bereits einem Starter angeschlossen,
der auch fünf Tage zuvor schon bei Trondheim-Oslo gestartet
war. Michael Dhom (www.michael-dhom.com) und ich kamen gut
voran - dies aber vor allem dank meinem wunderbaren Begleitfahrzeug
mit Karen am Steuer und dem hierauf resultierenden perfekten
Service. Michael hatte schon nach 10 km den ersten Platten,
dann nach 40 km den zweiten und immer haben wir Hilfe vom
Servicefahrzeug geordert. Beim km 20 hatten wir dann den ersten
kleinen Pass (Hauenstein) schon bewältigt und bei km
53 den zweiten (Asphof). Als dann seine Schuhplatten bei der
ersten Kontrolle bei km 97 in Koblenz auch noch locker waren,
waren quasi sämtliche potentiellen Reparaturen getätigt.
Trotz den kleinen Pannen kamen wir gut voran. Die Strecke
führte über die Grenze nach Deutschland und bei
gutem, leicht bedecktem Wetter entlang dem Rhein parallel
zur Grenze weiter Richtung Ewattingen. Kurz hinter der Grenze
dann bei km 110 begann der lange Anstieg nach Bonndorf im
Schwarzwald. Entlang eines kleinen Flusslaufes ging es 34
km bergan auf eine Höhe von 866m. In dieser Steigung
hat Michael mich dann abgehangen und wir haben uns im Kontrollpunkt
Ewattingen wieder getroffen. Ich wollte noch nicht zu früh
Kräfte lassen, was sich später ausgezahlt hat. Michael
hat bei km 450 aufgeben müssen.
Bei der Kontrolle in Ewattingen habe ich dann Simone Grosswiler
(www.simone-grosswiler.com) getroffen, die Weltmeisterin der
UMCA aus 2005 auf der Langdistanz. Wir sind die nächsten
120 km oft Rad an Rad gefahren. Direkt hinter Ewattingen kommt
eine kurze, 6 km lange, schöne Abfahrt und dann folgt
der Blumberg. Der Erbauer dieser Strasse hat sicherlich noch
nie auf einem Fahrrad gesessen, so zumindest meine Gedanken.
Die 200 Höhenmeter welche man in 6 km hinuntergefahren
ist, darf man hier in 2 km wieder hoch fahren - knackige bis
zu 16% Steigung. Ich habe nach dem Blumberg, bei km 180, auf
mein Triathlonrad (Pinarello Montello) gewechselt - dies war
nur dank des Begleitfahrzeugs möglich. Es folgen dann
noch einige kleine Wellen und man erreicht, wieder in der
Schweiz, den 3. Kontrollpunkt - Ramsen am Rhein.
Von hier an geht es über Kontrollpunkt 4 (Arbon) lange
entlang dem Bodensee. Hier machte sich das Montello bezahlt,
ich bin mit einem Schnitt von über 30 km/h am See gefahren.
In Arbon habe ich dann wieder auf das normale Rad gewechselt.
Es ging weiter nach Diepoldsau, wo kurz hiernach Österreich
erreicht wurde. Hier habe ich eine Pause gemacht und mein
Rad mit den notwendigen Lichtern für die Nacht ausgestattet.
Nach 20 km durch Österreich erreichten wir Lichtenstein
und über Vaduz ging es zurück in die Schweiz. Um
23:00 Uhr war ich dann an der 5. Kontrolle in Sarganz. Karen
und mein Begleitfahrzeug sind hier zurückgeblieben und
haben sich eine Auszeit gegönnt.
Nach einer Pause von knapp einer halben Stunde, einen dicken
Teller Nudeln, ging es für mich durch die Nacht weiter
über den Kerenzerberg nach Pfäffikon. In Pfäffikon
habe ich dann wiederum ca. 20 Minuten pausiert, meine Beine
vertreten und mich mit anderen Startern unterhalten. Etliche
haben auch in Sargans und Pfäffikon geschlafen - was
aber für mich nicht in Frage kam. In Pfäffikon habe
ich dann auch die ersten 720 km RAAM Qualifikanten an der
Kontrolle getroffen und mich mit Ihnen kurz ausgetauscht.
Dies fahren nahezu alle mit einem dauerhaften Begleitfahrzeug,
welches hinter Ihnen her fährt.
Knapp 5 km nach der Kontrolle in Pfäffikon beginnt die
Anfahrt zum Sattelpass, ein 17 km Anstieg, der oben allerdings
wieder flacher wird und am Anfang zwei harte Rampen hat. Kurz
vor dem Ende der zweiten Rampe in Schindellegi wurde ich kurz
hintereinander von den beiden RAAM Qualifikanten überholt,
die ich in der Kontrolle getroffen hatte. Ich bin also sehr
gut den Berg hoch gekommen.
11 km nach der Kontrolle kam dann der Moment, der mich noch
sehr lange verfolgen wird. Kurz nach dem vorgeschriebenen
Wechsel auf den Radweg, sah ich kurz vor mir zwei PKWs mit
Warnblinker auf der Strasse. Ein dritter PKW überholte
mich noch vorher und blieb ebenfalls stehen. Vom Radweg sah
ich dann ein zertrümmertes Fahrrad und einen Radfahrer
quer auf der Strasse. Nach einer Konversation mit den Autofahrern,
in der ich meine Hilfe anbot und einem Aufenthalt an der Unfallstelle
bin ich weitergefahren, ohne Hilfe leisten zu können.
Krankenwagen und Arzt kamen mir später entgegen, die
Strasse hinter mir wurde für Stunden gesperrt und im
Nachhinein musste ich erfahren, dass ein angetrunkener 19-jähriger
Autofahrer diesen Radkollegen von mir (Frank Feuerberg an
dessen 45-jährigem Geburtstag) angefahren und tödlich
verletzt hat. Über den Sattelpass bin ich ob des Anblicks
des Unfalles sehr langsam gefahren und habe die Grasnabe mehr
befahren als die Strasse. Ich habe Radwege und Fusswege genutzt
wo es nur ging und hierbei bestimmt mehr als zwei Stunden
verloren - dies war aber nicht mehr wichtig. Ich weis mittlerweile,
dass Frank der Freund von Simone Grosswiler war, mit der ich
anfangs gefahren bin. Die Unfallstelle wird sicherlich für
viele Teilnehmer in trauriger Erinnerung bleiben - ich war
der Letzte den Frank überholt hat - wohl eine Minute
vor dem Unfall.
Es ging für mich weiter durch die Nacht an Luzern vorbei
nach Küssnacht. Ich habe hier oft gehalten und gewartet,
dass es heller wurde. Die Kontrolle in Emmen habe ich dann
im hellen erreicht, für die 69 km zwischen Pfäffikon
und Emmen habe ich knapp 5 Stunden gebraucht, ob des Unfalls
und seiner Folgen. Karen konnte auch nicht über den Pass
fahren und wir haben uns dann erst in Affoltern bei der 8.
Kontrolle wieder getroffen. Vorher musste ich aber noch zwei
Berge erklimmen. Die Sonne brannte mittlerweile, so dass ich
auch noch knackig braun wurde.
Von Affoltern geht es mit einer Zwischenkontrolle in Stettlen
bei Bern zurück nach Wiedlisbach. Bis Stettlen war ich
sehr langsam unterwegs, die letzten 46 km habe ich dann aber
bei wunderbarem Wetter in weniger als 1:30 Stunden bewältigt.
Mit der Gesamtzeit von 30:58 inkl. der Pausen bin ich zufrieden
- die Zeit war nicht wichtig, die Tragik des Unfalls war für
mich unfassbar und wird es noch lange bleiben. Ich habe die
Qualifikation für Paris-Brest-Paris und damit ist mein
Ziel erreicht. Ich war nach den 610 km noch fit, die Beine
waren nicht müde und ich hatte auch in der Folge keine
Schmerzen - das war für mich nach den 540 km von Trondheim
- Oslo die 5 Tage vorher gefahren wurden ein sehr gutes Zeichen.
Die Organisation in der Schweiz ist top. Für die wenigen
Fahrer wurde die Strecke top ausgeschildert, die Verpflegung
war super und es gab nichts zu beanstanden. Ich selber habe
mich in der Woche nach dem Rennen um alle möglichen Beleuchtungsoptionen
für mich selber gekümmert, um nicht auch angefahren
zu werden.
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